Lichtmess
In der Schule habe ich letztens die Kinder gefragt: Warum zünden eure Eltern ab und zu Kerzen an? Die Antwort kam schnell: Weil es schön ist!
An meiner ersten Pfarrstelle am Bodensee wurden spätestens um 23.00 Uhr alle Lampen in den Straßen abgeschaltet und es war nicht nur am Abend oft recht finster auf dem Land. Einmal bemerkte ich: Jetzt weiß ich, was Winterdepressionen sind! Aber nein, ich weiß es nicht wirklich, weil immer eine Kerze brennt und ihr Licht es schön macht.
Das Fest der Darstellung des Herrn, auch Maria Lichtmess genannt, am 2. Februar jeden Jahres, wird mir von Jahr zu Jahr wichtiger. Weniger wegen der im Evangelium beschrieben Handlung im Tempel von Jerusalem, sondern vielmehr wegen der überlieferten Bräuche bei uns. Der Weihnachtsschmuck bleibt, wenn möglich, bis zu diesem Fest in den Kirchen. Kerzen werden geweiht. Beim Gedenken an den Hl. Blasius, am Tag darauf, gibt es den persönlichen Segen mit den gekreuzten Kerzen.
Man merkt in diesen Tagen, sechs Wochen nach Weihnachten: tatsächlich, das Licht hat gesiegt, die Finsternis weicht zurück.
Auch wenn die ersten Christen gegenüber Kerzen skeptisch waren, weil sie dem römischen Totenkult dienten, haben sie sich doch irgendwann als bedeutsam durchgesetzt, als Altar-, Tauf-, Kommunion-, Hochzeits-, Prozessions- und Opferkerzen. Es ist eben schön und feierlich. Noch schöner ist es, wenn das Entzünden mit einem Gebet verbunden ist.
Vor ein paar Jahren betrat ich an einem Abend die fast völlig dunkle Östringer Kirche, als gerade ein paar Kinder viele Opferkerzen entzündeten. Ich fragte sie, was sie da machen. Sie antworteten, die sind für unsere kranke Oma und alle bezahlt. Habt ihr auch ein Gebet gesprochen, fragte ich nach. Nein, warum? Dann habe ich die Kinder gebeten die Hände zu falten und sprach ein Ave Maria, denn eine Kerze ohne Gebet ist zu wenig. Manche der Kinder lächelten verlegen, andere gingen nachdenklich hinaus.
Es grüßt sie und ihre Familien herzlich, Pfarrer Joachim Viedt.

