Veränderungen 2015:
die Weichen für die Zukunft werden gestellt
Es ist Bewegung in unserer Kirche. Und das auf allen Ebenen. Papst Franziskus setzt seit gut einem Jahr immer wieder neue Impulse und sorgt – mit oft kleinen Gesten – für Überraschungen. Der Katholikentag Ende Mai in Regensburg hat den innerkirchlichen Dialog in Deutschland vorangetrieben. Im Erzbistum Freiburg hat jüngst die Diözesanversammlung getagt und dem frisch ernannten Erzbischof Stephan Burger zukunftsweisende Entscheidungen überantwortet. Die Kirche blickt derzeit nach vorne in die Zukunft.
Das gilt auch für die Basis: unsere Gemeinden. 2015 wird aus den Seelsorgeeinheiten Mühlhausen und Rauenberg die Seelsorgeeinheit Letzenberg. Am 15. März 2015 wird ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt. Ein einziger Pfarrgemeinderat für die ganze Seelsorgeeinheit! Damit gibt es künftig auch nur noch einen Stiftungsrat für alle Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten der einen Kirchengemeinde und ihrer Pfarreien. Gleichzeitig entstehen im Idealfall in allen Pfarreien sogenannte Gemeindeteams, die die Gemeinde am Ort lebendig halten.
Veränderungen sind nötig
Der Grund dafür leuchtet ein. In den letzten Jahren hat die Zahl der Gläubigen abgenommen. Ebenso die der hauptberuflichen Mitarbeiter. Nicht zuletzt deshalb haben sich die pastoralen Räume vergrößert. Die Strukturen aber wurden kaum angepasst. So gibt es zum Beispiel in unseren Seelsorgeeinheiten sieben Kindergärten.Alle aber sind formal in anderer Trägerschaft. Das erhöht den Verwaltungsaufwand. Ähnlich ist es mit der Gebäudenutzung: in allen Orten sind kirchliche Gebäude vorhanden, die unterschiedlich stark frequentiert werden. Kosten und Verwaltungsaufwand aber sind überall ähnlich hoch. Auch in pastoralen Feldern wie der Erstkommunion- oder Firmvorbereitung könnte eine bessere Vernetzung über die Ortsgrenzen hinaus die Kräfte aller Mitarbeiter bündeln und Energien freisetzen, die dem kirchlichen Leben vor Ort auf andere Weise zugutekommen könnten. Dass das klappt, haben erste Versuche bereits gezeigt.
Verschiedene Gremien spielen zusammen
Genau das bezwecken die Veränderungen 2015. Ist die Seelsorgeeinheit Letzenberg erst einmal eine Kirchengemeinde, also eine einzige juristische Größe, erleichtert das die Verwaltung. Aus den bisher sechs Stiftungsräten wird ein einziger.
Dieser Stiftungsrat ist dem Pfarrgemeinderat angegliedert, einem Gremium, das gewählte Vertreter aller Pfarreien an einen Tisch bringt. Der Pfarrgemeinderat wird vor allem konzeptionell arbeiten, die Pastoralkonzeptionen der bisherigen Seelsorgeeinheiten sichten und mit dem Evangelium im Blick zu einer gemeinsamen weiterentwickeln. Er ist zuständig für pastorale Aufgaben, die die ganze Seelsorgeeinheit betreffen. Er wird daher immer wieder am gemeinsamen Gottesdienstplan feilen, die Sakramentenkatechese überdenken und ein Gebäudenutzungskonzept erstellen. Der Pfarrgemeinderat ernennt zudem die Gemeindeteams, die als „pastorale Arbeitsgruppen“ des Pfarrgemeinderates an jedem Ort zu verstehen sind. Sie halten die Kirche vor Ort lebendig.
Was heißt das konkret? Grundsätzlich gilt für die Zusammenarbeit der Gremien: Was eine kleinere Einheit leisten kann, tut sie eigenverantwortlich. Was ihre Möglichkeiten übersteigt, übernimmt die größere. Während also der Pfarrgemeinderat ein Konzept für die Erstkommunion-, Firm- oder Ehekatechese organisiert und theologisch wie religionspädagogisch verantwortet, kann das Gemeindeteam vor Ort zusätzliche Angebote machen, damit Kinder, Jugendliche und junge Paare in der Gemeinde Heimat finden. Gemeindeteams können den Gottesdienstplan ergänzen und Wort-Gottes-Feiern organisieren. Gleiches gilt für Pfarrfeste und andere Angebote, die im individuellen Gemeindeleben verortet sind.
Der Pfarrgemeinderat wird für fünf Jahre gewählt; die Gemeindeteams vom Pfarrgemeinderat auf mindestens zwei Jahre ernannt. Mitarbeiten kann in den Gemeindeteams jeder, der sich für das Pfarrleben am Ort einsetzen möchte: Vertreter von Gruppierungen, ehemalige Pfarrgemeinderäte oder Mitglieder von Vereinen. Zum Gemeindeteam automatisch dazu gehört der Leiter der Seelsorgeeinheit oder eine von ihm delegierte Person aus dem Seelsorgeteam; darüber hinaus mindestens ein Pfarrgemeinderatsmitglied aus der Gemeinde. Seelsorgeteam, Pfarrgemeinderat und Gemeindeteams ergänzen sich somit wechselseitig. Gemeinsam tragen sie Verantwortung für das kirchliche Leben in seinen Grundvollzügen: der Feier Gottes (Liturgie), der Sorge für andere Menschen (Diakonie), der Glaubensverkündigung (Martyria) und des Gemeinschaftslebens (Koinonia).
Der Fahrplan bis 2015 steht
Was den Fahrplan für die nächsten Wochen und Monate betrifft, so stehen bereits verschiedene Stationen fest: Am 2. Juli beraten die jetzigen Pfarrgemeinderäte beider Seelsorgeeinheiten gemeinsam über die Zusammensetzung des neuen Pfarrgemeinderats. Zur Diskussion steht ein Modell, das sich in den vergangenen Sitzungen herauskristallisiert hat: je fünf Vertreter aus den größten Orten Mühlhausen und Rauenberg, je drei Vertreter aus Malsch, Malschenberg und Rettigheim sowie zwei Vertreter aus Rotenberg. Damit würde der zu wählende Pfarrgemeinderat 21 Personen aus sechs Stimmbezirken umfassen. Dazu kommen nach der Wahl am 15. März 2015 qua Amt der Leiter der Seelsorgeeinheit und beratende Mitglieder wie das Seelsorgeteam. Bereits bis zum 31. Oktober 2014 ist der Wahlvorstand zu bilden, sodass dann im Januar die Wahl öffentlich bekanntgemacht und die Wahlvorschläge gesammelt werden können.Veränderungen hat es immer gegeben
Es ist Bewegung in unserer Kirche. Und das auf allen Ebenen. In diesen Wochen und Monaten werden Weichen gestellt für die Zukunft der Kirche, der Seelsorgeeinheiten und Gemeinden. In der Kirchengeschichte gab es solche Situationen immer wieder. Erste Zeugnisse davon gibt es im Neuen Testament. Die Christen mussten sich organisieren und neu ausrichten, sie mussten Grundfragen klären, sich dabei mit dem Zeitgeist auseinandersetzen und manchmal Kompromisse eingehen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Genau wie damals sind viele Fragen offen und müssen diskutiert werden. Die einen machen sich dabei viele Sorgen – vielleicht zu Recht – und beobachten die Entwicklungen skeptisch. Andere sehen vor allem die Chancen von Veränderungen und entwickeln Visionen, wie es künftig weitergehen kann. Beides braucht es auf dem Weg in die Zukunft.
Ich bitte Sie daher: Bringen Sie sich ein, auf die Art und Weise, die Ihnen persönlich liegt. Ob Sie im Wahlvorstand mithelfen, sich nächstes Jahr in den Pfarrgemeinderat wählen lassen oder im Gemeindeteam mitwirken. Alles kann dazu beitragen, unsere künftige Seelsorgeeinheit Letzenberg lebendig zu machen und lebendig zu halten. Wie es weitergeht, das haben wir ein Stück weit selbst in der Hand – jeder Einzelne von uns.
Ihr Pastoralreferent Thomas Macherauch



