Die Geschichte der Kirche
Über eine erste Kirche in Malsch gibt es keinerlei Zeugnisse. Das Patronat der hl. Juliana wird erst spät erwähnt, dürfte aber mindestens auf die Zeit vor 976 zurückgehen, als Malsch noch zur Abtei Mosbach gehörte. Der älteste Teil der heutigen Kirche ist der Turm. Sein viereckiges Unterteil zeigt romanische Schallöffnungen und im heutigen Kircheninneren ein romanisches Kirchenfenster um 1200. Die heutige Marienkapelle im Turminnern besitzt ein romanisches Kreuzrippengewölbe, das auf Eckdiensten mit unterschiedlich ornamentierten Kapitellen ruht. Die künstlerisch aufwendige Gestaltung dieses Raumes weist ihn als den mittelalterlichen Altar- bzw. Chorraum und diese Kirche als geostete Chorturmkirche aus. Wie aus dem Ortsplan um 1760 hervorgeht, schloss sich im Westen in der gleichen Breite an den Turm das Kirchenschiff an. Ein südlicher Anbau neben dem Turm kann als der vom Schultheissen Georg Simon Fleckenstein 1721 erbaute Nebenchor gedeutet werden. Das Kirchenschiff der mittelalterlichen Kirche lag also westlich des Turmes zwischen der heutigen Kirche und dem Pfarrheim.
Im Jahre 1302 schenkte der Bischof von Worms den Ort Malsch dem Bischof zu Speyer. Bis zur Säkularisation 1803 gehörte Malsch politisch wie auch kirchlich zum Hochstift bzw. Bistum Speyer. Früheste Urkunden über die Kirche bzw. Pfarrei stammen aus dem 14. Jahrhundert. 1327 überließen Konrad der Ältere, Engelhard und Engelhard- Konrad von Weinsberg den Kirchensatz dem Kollegiatstift zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit und zu allen Heiligen (Allerheiligenstift) in Speyer. Das Allerheiligenstift ließ sich die Pfarrei inkorporieren. Das heißt, das Kollegiatstift war nun kirchenrechtlich der Pfarrer und bezog die für den Unterhalt des Pfarrers gestifteten Einkünfte (Pfarrpfründe). Für die Seelsorge vor Ort stellte das Stift einen Hilfspriester (Vikar) an, dessen geringere Entlohnung 1339 festgesetzt wurde. Für die Seelsorge dürfte dies nicht vorteilhaft gewesen sein. Zumal der Seelsorger von Malsch auch für die Bewohner von Rettigheim und Malschenberg zuständig war.
Im Bauernkrieg 1525 spielte die Gemeinde Malsch eine bedeutende Rolle und wurde im Mai 1525 von einem vereinigten Heer des Kurfürsten Ludwig V. eingenommen und niedergebrannt. Bei der Verteidigung des Ortes dürfte die Kirche mit ihrem ummauerten Kirchhof eine wichtige Funktion inne gehabt haben. An der höchsten Stelle am Ortsrand gelegen, bildete sie die letzte Rückzugsmöglichkeit der Bevölkerung. Das 1980 bei Aushubarbeiten im Pfarrheim freigelegte 80 cm starke Mauerfundament, dürfte ein Rest der ehemaligen Wehrmauer gewesen sein. Wie der noch erhaltene romanische Kirchturm zeigt, dürfte die Kirche nur ausgebrannt und nicht niedergerissen worden sein. Nach dem Bauernkrieg wandten sich die Bürger an die Obrigkeit mit der Bitte, die zerstörte Kirche wieder neu bauen zu dürfen. Die Jahreszahl 1536 in einem Kehlstein unter der Turmtraufe des Oktogons zeigt an, dass damals auf den romanischen Kirchturm der achteckige spätgotische Turmaufsatz mit seinem spitzen Dacht aufgesetzt wurde.
Seit 1683 bemühten sich die Verantwortlichen bei der speyerischen Regierung um die Instandsetzung des alt gewordenen Gebäudes. Die vorgenommenen Reparaturen des Jahren 1683 und die der folgenden Jahrzehnte führten immer wieder zu Streitigkeiten bezüglich der Zuständigkeit und Verteilung der Kirchenbaulasten. Die Gemeinde, der Kurfürst von der Pfalz sowie das Allerheiligenstift zu Speyer waren bei Reparaturen zahlungspflichtig. Auch die beiden Filialgemeinden Rettigheim und Malschenberg hatten für die Unterhaltung der Kirche mit zu sorgen.
Der bauliche Zustand des Gotteshauses verschlechterte sich so sehr, dass um 1764 die heilige Messe im Rathaussaal abgehalten werden musste. Erst 1769 gab Fürstbischof Franz Christoph von Hutten seinem Hofarchitekten Leonhard Stahl den Auftrag zum Entwurf einer neuen Kirche. Dieser stellte nach einer Ortsinspektion fest, dass die Kirche einer Spelunke (Höhle) gleich sehe. Unter dem neuen Bischof Damian August von Limburg-Styrum kam die Planung 1771/72 zur Ausführung. Die heutige Lage der Kirche südlich des Turmes, und nicht westlich wie auf dem Plan um 1760, sowie Bodenfunde beim Wiederaufbau der Kirche 1972/73 deuten darauf hin, dass das Kirchenschiff und der Chor 1771/72 neu erbaut wurden. Sehr wahrscheinlich wurde nur die Südmauer der alten Kirche in den Neubau integriert. Sie dürfte um 25 Schuh (7,20 m) verlängert und um 9 Schuh (2,60 m) erhöht worden sein. Auch erhielt die neue Kirche zwei Seitentüren.
1897 erfolgte die Verlängerung des Kirchenschiffes um 2 Achsen (10,70 m), wobei auch die barocke Westfassade versetzt und wieder aufgebaut worden sein dürfte.

Den Hochaltar für die neue Kirche lieferte der Bruchsaler Schreiner Wolfgang Weinspach. Die Skulpturen hierzu fertigte der Bruchsaler Bildhauer Georg Michael Saas. Die äußerst kostbaren Seitenaltäre wurden 1809 aus dem Inventar des aufgelösten Heidelberger Karmeliterklosters ersteigert. Der Josefaltar hatte Kurfürst Karl Philipp 1718/9 gestiftet. Der Muttergottesaltar hatte Graf Franz Josef von Wiser und andere Wohltäter 1753 errichten lassen. Seine Heiligenfiguren Josef und Lucia waren die Namenspatrone des Stifterehepaars. Eine weitere sehr wertvolle Ausschmückung des Innenraumes stellten die etwa 1,50 m hohen barocken Statuen der 14 Nothelfer an den Wänden dar. Erhalten geblieben von dieser kostbaren Ausstattung sind nur die Figuren der Jesuitenheiligen Ignatius und Franz Xaver vom Josefaltar. Sie waren während des Kirchenbrandes bei einem Restaurator untergebracht.
Die reiche Bemalung des Innenraumes am Ende des 19. Jahrhunderts harmonierte wenig mit der barocken Einrichtung. Bei der Innenrenovierung 1956 wurde durch die Übertünchung der Wandornamente und einer nur teilweisen Belassung der Deckengemälde der Innenraum wieder heller.
Der große Kirchenbrand

In der Nacht des 23. Juni 1972 wurden die Anwohner um 3:45 Uhr durch lautes Knistern und klirrende Glasscheiben geweckt. Bereits zu dieser Zeit schlugen schon Flammen aus dem 3. Fenster an der Nordseite der Kirche und kräftiger Rauch entwich. Durch die Sakristei (heute alte Sakristei) gelangten einige Malscher Bürger in die Kirche. Stehend heiße Luft und beißender Rauch schlugen ihnen ins Gesicht. Aus dem linken Beichtstuhl loderten etwa 6 m hohe Flammen, die schon beinahe die Holzdecke über der Fensternische erreicht hatten. Inzwischen war es einem jungen Mann gelungen, mit einem Handfeuerlöscher die Flammen, die aus dem Beichtstuhl schlugen, zu ersticken. Aber wenige Augenblicke später entzündete sich das heiß gewordene Holz an der Decke und im Handumdrehen schlugen die Flammen durch das Dachgebälk. Jetzt hatte sich der Feuerherd ein Loch für genügend Sauerstoffzufuhr geschaffen. Während die gefräßigen Flammen im 200 Jahre alten Gebälk ihr Vernichtungswerk fortsetzten, trugen zwei wagemutige Bürger den hölzernen Altar, von dem aus die Messe seit der Liturgiereform gefeiert wurde, in die Sakristei. Die inzwischen am Brandort eingetroffene örtliche Feuerwehr zog noch den Teppich des Mittelgangs ins Freie. Da sonst im Inneren nichts mehr zu retten war, versuchten die Männer der Wehr mit ihren Schläuchen das brennende Dach zu löschen. Dieser Versuch blieb infolge der zu geringen Spritzenleistung ohne Erfolg. Prasselnd fielen die Ziegel auf den Speicherboden und vertrieben den letzten Retter aus dem Kircheninneren. Alle Versuche der aus den Nachbarorten herbeigeeilten Feuerwehren, gegen dieses Inferno etwas auszurichten, schlugen fehl. Mit rasender Geschwindigkeit fraßen sich die von Sturmböen gut genährten Flammen im Dachstuhl unaufhaltsam weiter. Etwa gegen 5 Uhr brach die brennende Decke mit großem Getöse und hochwirbelndem Funkenflug in das Kirchenschiff und begrub alles unter sich. Die vielen Zuschauer standen stumm, erschreckt und wie gelähmt, als der brennende Dachstuhl donnernd zu Boden stürzte. Hilflos mussten sie erleben, wie die Orgel, die Kanzel, die Seitenaltäre, die barocke Taufszene Jesu auf dem Taufbecken und die Statuen der 14 Nothelfer für immer verloren gingen. Durch einen Einstieg in den Kirchenspeicher drang die Hitze von mehreren hundert Grad Celsius in das Turminnere und setzte zuerst die hölzernen Zwischenetagen in Brand. Die Sogwirkung des Turmes brachte es mit sich, dass bald auch der Turm gänzlich in Flammen stand. Dann kam der Augenblick, als die Turmspitze herabzustürzen begann: Der Südwind knickte zuerst das stark ausgebrannte Helmgerippe im oberen Drittel nach Osten ein, dann stürzte auch der untere Helmteil herab. Wie von unsichtbarer Hand gelenkt fielen die noch brennenden Balken genau zwischen die Sakristei und das Nachbarhaus. Hier konnten die Trümmer dann von der Feuerwehr gelöscht werden, ohne dass die so dicht bei der Kirche stehenden Wohnhäuser zu Schaden kamen. Gegen 6 Uhr stand außer den Umfassungsmauern nichts mehr. Ein leeres Mauergerippe war alles, was von der einstigen Barockkirche übriggeblieben war.

Trotz aller Niedergeschlagenheit fassten die Verantwortlichen nach alternativen Bauvorschlägen den Entschluss, die Kirche unter Verwendung der stehengebliebenen Mauern wieder aufzubauen. Die Aufbauarbeiten an der gleichen Stelle begannen am Montag, den 11. Dezember 1972 und dauerten 16 Monate. Die Kosten beliefen sich auf 1,5 Millionen DM. Am 7. April 1974, es war Palmsonntag, wurde der erste Gottesdienst in der neu erstandenen Kirche gefeiert.
Der Innenraum der Pfarrkirche wurde letztmals im Jahre 1997 einer farblichen Auffrischung unterzogen.
Quellen:
- "1200 Jahre Malsch - Menschen Schicksale Ereignisse".
- Chronik des Barfüsser Karmelitenkloster zu Heidelberg: ein Beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte; die deutsche Fassung des P. Gregor Hertwig / hrg. und komm. Von Markus A. Maesel. –Ubstadt-Weiher: Verl. Regionalkultur, 1998.




