Pfarrer Schaeffer
Das katholische Pfarramt zu Rotenberg besitzt eine heimatgeschichtliche Rarität in den Aufzeichnungen des Pfarrers Georg Christoph Schaeffer aus dem Jahre 1772, die von Hand geschrieben sind und wegen des schwarzen Ledereinbandes das „schwarze Buch“ genannt werden. Auf über 200 Seiten berichtet der über die Stadt und das Schloss Rotenberg, über die Pfarrkirche, das Kirchenvermögen, die Pfarrei und den Schuldienst.
Schaeffer wurde 1722 in Fulda geboren, wurde 1762 Pfarrer von Rotenberg und starb dort am 22. Oktober 1777, wo er drei Tage später auf dem Kirchhof beigesetzt wurde. Sein Grabstein ist bis heute an der Außenwand des Kirchturms zu finden, er trägt die Inschrift „Hic iacet PRD Christophorus Schaeffer Parochus in Rotenberg mortus est die 27. Septembris Anno 1777“ (Hier ruht der höchst ehrwürdige Herr Chr. Schr. Pfarrer in R. Er ist am 27. September im Jahre 1777 gestorben), die falsche Datumsangabe ist bis heute unerklärbar.
15. bis 17. Jahrhundert
Pfarrer Schaeffer beschreibt in seinem „schwarzen Buch“ die damalige Stadt- und Pfarrkirche (die Vorgängerin der heutigen) als uralte Kirche mit einem alten Turm, in dem sich zwei Glocken mit Inschriften aus den Jahren 1494 und 1596 befanden. Es gab drei Altäre in der Kirche, nämlich den Hochaltar, einen Marien- und einen Josephs-Altar. Angebaut an die Kirche war eine uralte Kapelle, die St.-Anna-Kapelle.
Das Alter von Kirche und Kapelle leitet Schaeffer von der Jahreszahl 1535 ab, die auf einem Grabstein in der Kapelle angegeben war. Mit absoluter Sicherheit ist die damalige Kirche mit Turm 1548 bereits völlig errichtet gewesen, da diese Gebäude auf einer Landtafel, welche die Wildbanngrenze zwischen Kurpfalz und dem Hochstift Speyer zeigt eindeutig zu sehen sind. Schaeffer schildert dann auch „Raritäten und schöne Alterthümber“ in Kirche und Kapelle auf das genaueste.
18. Jahrhundert
Zur Baulast unterscheidet Pfarrer Schaeffer Chor- und Langhaus. Chor samt Turm hatten die großen Zehntnehmer zu bauen, nämlich die Speyerische Herrschaft zu elf Zwölftel. Das Langhaus musste die Kirche selbst bauen. Kirchenpatron war (und ist bis heute) der heilige Bischof St. Nikolaus; Schloss- und Stadtpatron der heilige Erzengel Michael.
Folgende Kirchenfeiertage zählt Schaeffer in seinen Berichten auf:
Neujahrstag, Heilig-Drei-Königsstag, Mariä Himmelfahrt, Mariä Verkündigung, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnamstag, St. Johannestag, St. Petri- und Paulitag, Mariä Geburt, Allerheiligen, Mariä Empfängnis, St. Nicolai Kirchenpatronstag, der heilige Christtag, St. Stephani-Tag, Erzengel Michaels Stadtpatronstag.
Weiter nennt er fünf Opferfesttage:
Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt, Kirchweih und Christtag. Kirchweih lag früher an St. Gallus, zu Schaeffers Zeit aber schon an St. Martin.
Schaeffer berichtet weiter über Prozessionen und Umgänge an allen Festtagen um die Kirche, am Weißen Sonntag wurden die Erstkommunikaten, sofern welche da waren mit einer Prozession vom Rathaus abgeholt und in die Kirche geleitet. Außer Ort wurden im Laufe des Jahres acht Prozessionen durchgeführt: Am 1. Mai nach Waghäusel, welche auf ein Versprechen der Bürgerschaft von 1746 zurückzuführen ist und zur Abwendung großen Übels, wie es der Stadt durch Unwetter und Überschwemmung widerfahren war; am zweiten Sonntag nach Ostern folgte eine Flurprozession; die dritte ging am St. Markustag nach Mühlhausen, wo der Rotenberger Pfarrer ein Hochamt hielt, anschließend ging es wieder zurück nach Rotenberg, wo dann der Mühlhäuser Pfarrer ein Hochamt hielt, welches gemeinsam mit den Pfarrgemeinden aus Mühlhausen und Rauenberg gefeiert wurde; in der Karwoche fand am Montag die vierte Prozession nach Malsch; die fünfte am Dienstag nach Dielheim und die sechste am Mittwoch nach Mühlhausen statt; die siebte ging am Pfingstmontag gemeinsam mit den Pfarrgemeinden Mühlhausen, Dielheim und Balzfeld nach Waghäusel; die achte schließlich führte am Allerseelentag hinaus auf den Gottesacker.
Schaeffer berichtet weiter über Kapital, Steuern, Einkünfte und Aufgaben „von dem Heiligen zu Rotenberg und von der St.-Anna-Kapelle“, sowie über die Einkünfte des Pfarrers. Es folgt weiter ein Verzeichnis der Rotenberger Familien- und Flurnamen.
Kirchlich unterstand Rotenberg dem Bistum Worms, damaliger Bischof Emmerich Joseph Freiherr von Breidenbach und die weltliche Herrschaft stand dem Hochstift Speyer zu, Bischof war damals Damian August Philipp Karl von Limburg-Stirum.
19. Jahrhundert
Am Platz der jetzigen Pfarrkirche befand sich demnach, die aus dem 15. Jahrhundert stammende alte St.-Nikolaus-Kirche mit einer St.-Anna-Kapelle. Diese sollten im Jahre 1803 renoviert werden, die Kurfürstliche Kirchenkommission stellte jedoch fest, dass diese baufällig sei.
Unter Pfarrer Hofacker wurde im Jahre 1805 mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen. Zunächst waren Langhaus, Chor und Sakristei geplant. Der Turm an der Südseite stammt großteils aus dem alten Gotteshaus. Die Arbeiten des Kirchbaus wurden an die wenigstnehmenden Handwerker vergeben, diese waren folgende:
Mauermeister Lutz (Dielheim), Schlossermeister Strechfuß (Odenheim) und Sumpel (Bruchsal), sowie Zimmermann Pfeiffer (Rot).
Die Kirche war bis zum Dachstuhl gebaut, da bekam das Mauerwerk Risse, woraufhin das Bauwerk wieder abgebrochen und auf einem von Holzstämmen gefertigten Rost neu errichtet werden. Zur damaligen Zeit bestand die Gemeinde aus 122 Seelen, darunter 32 Bürger. Beim Bau der Kirche hatte die Gemeinde Orgel, Kanzel und Nebenaltäre anzuschaffen.
1812 wurden Reparaturen, Fassungsarbeiten und Abstimmungen zwischen dem Hochaltar und den Seitenaltären vorgenommen, die Arbeiten übernahm der Bildhauer Sachs (Bruchsal), der die Arbeiten im Juli 1813 fertigstellte und dafür 350 Gulden erhielt.
Im September 1813 wurde die Kirche gedielt und die Beichtstühle repariert. 1823 erfolgte die Anschaffung einer neuen Kirchenuhr. Den Auftrag dazu erhielt der Uhrmacher Stiefel (Heidelberg), der dafür 400 Gulden erhielt.
1841 stellte man den schlechten Zustand des Pfarrhauses fest, worauf 1856 mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen wurde, das rund 10.240 Gulden kostete.
Laut Bericht des Erzbischöflichen Bauamts Karlsruhe vom 9. Oktober 1873 waren die Gemälde der Seitenaltäre unerquicklich kunstlos und der heiligen Stätte nicht geziemend. Für die neuen Ölgemälde wurden die Darstellungen des hl. Erzengels Michaels und der hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind gewählt. Die neuen Bilder malte Kunstmaler Weber (Freiburg im Breisgau), die alten Bilder wurden gegen eine Vergütung von neun Gulden dem Rauenberger Pfarrer Honikel überlassen.
Im Jahre 1877 wurde die Orgel von Orgelbauer Dürr (Hardheim) nach Plänen von Orgelinspektor Steinbrenner (Walldürn) repariert und umgebaut, die Kosten beliefen sich auf 2.227 Mark.
Nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1885 wurde die Sakristei erweitert, die Baukosten betrugen ca. 800 Mark. Dieser erweiterte Sakristeiraum von 1885 entspricht heute dem Gruppenraum der Ministranten.
Im September 1889 wurde ein neues Geläut angeschafft. Unter Pfarrer Isemann, der gleichzeitig Pfarrer von Mühlhausen und Dekan war wurde die Kirche 1895 renoviert. Zu dieser Zeit mauerte man auch die Verstärkungspfeiler am Giebel der Kirche auf.
20. Jahrhundert
Erst 1903 sind die beiden Deckengemälde gemalt worden. Die Darstellung der Geburt Jesu im Chor finanzierte die Pfarrgemeinde, das Gemälde Mariä Himmelfahrt, an der Decke des Langhauses, bewilligte das Erzbischöfliche Bauamt Freiburg im Breisgau und am Hochaltar wurde ein neuer Tabernakel eingebaut.
Bemerkenswert erscheint ein Protokoll vom 1. Mai 1904:
„Das Schießen am Fronleichnams- und am Michaelsfest wird beschränkt auf je neun Schüsse am Vorabend und in der Frühe des Festes. Mit dem Polizeidiener soll ein Vertrag bezüglich des Schießens abgeschlossen werden …und während der Prozession in seiner Amtskleidung für Ordnung sorgt. Außerdem soll er beauftragt werden, jeweils an Sonn- und Feiertagen nach dem Gottesdienst die Kirchentür zu öffnen. Als Belohnung für diese Leistungen soll derselbe jährlich 10 Mark erhalten.“
Im September 1909 installierte man in der Kirche eine elektrische Beleuchtung, das Pfarrhaus folgt erst 1920. Im September 1911 baute die Firma Jung (Straßburg), die heutige Rohrheizung in die Kirche ein, Kostenaufwand 3.338 Reichsmark.
Im Jahr 1913 bekam die Pfarrkirche eine neue Orgel. Erbauer war die Firma Voit und Söhne (Durlach), die Anschaffungskosten betrugen 6.320 Reichsmark.
Im Jahre 1920 erhielt der Turm zwei neue Glocken, da die vorhergehenden aufgrund des Krieges 1917 beschlagnahmt wurden und abgeliefert werden mussten. Die Glocken wurden von Bürgermeister Eugen Menges und dessen Frau Emma, geborene Spieß gestiftet, die Rechnung belief sich auf 18.010 DM. Die Festpredigt zur Glockenweihe hielt Pfarrer Emil Matthias Menges.
Eine Innenrenovation wurde 1942 unter Pfarrer Julius Berberich begonnen und unter Pfarrer Stephan Frickhofen 1946 zu Ende geführt. Außer den Malerarbeiten, welche die Gebrüder Hemberger (Odenheim) ausführten, wurden die sonstigen Arbeiten unter großen Opfern und unter Mithilfe der gesamten Pfarrgemeinde während des Krieges getätigt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden zum zweiten Mal die Kirchenglocken abgeholt. Jedoch konnten 1949 zu einer noch bestehenden, drei neue Glocken in Weißbronze für 4.309 DM angeschafft werden.
1957 kam es zum Bau eines Kindergartens, im Ökonomiegebäude zwischen Sakristei und Pfarrhaus. Die Kosten übernahmen die politische Gemeinde und das Land Baden-Württemberg.
1959 wurde das Glockengeläut elektrifiziert.
Unter Pfarrer Sautner wurden 1968 die Kirchenbänke erneuert, dies war verbunden mit der Fangung des Mauerwerks unter der Kirche. Dies war vor allem durch das Sinken des Grundwasserspiegels, seit der Einführung der Zu- und Abwasserkanalisation 1905 notwendig geworden, da der Holzrost auf dem das Fundament der Kirche von 1805 gebaut war, morsch und faul wurde. Den umfangreichen Kostenaufwand, welchen diese unumgängliche Baumaßnahme mit sich brachte unterstützen die Gemeindemitglieder sehr.
1970 konnte der Kindergarten renoviert und mit einer Heizung versehen werden.
In der Amtszeit von Pfarrer Melzer wurde 1979 mit dem Bau einer neuen Sakristei begonnen, welche sich südlich des Chorraums, zwischen dem Glockenturm und die alte Sakristei anschließt. Im selben Atemzug wurde eine neue elektrische Anlage von August Greulich installiert, eine Innenrenovierung von Kirchenmaler Fuchs (Horrenberg) ausgeführt (1983) und durch die Gipserfirma Rinhofer (Rotenberg) erfolgte eine Außenrenovierung (1985). Am 22. März 1981 wurde die neue Sakristei von Pfarrer Martin Bandle eingeweiht. Reine Neubaukosten ca. 30.000 DM.
1986 erhielt die Pfarrgemeinde die heutige Orgel, diese wurde von Orgelbaumeister Karl Göckel (Rettigheim) geliefert. Ihr Anschaffungspreis betrug 119.023 DM, wovon die Stadtverwaltung Rauenberg eine Spende von 30.000 DM anwies. Die Orgelweihe fand am 4. Adventsonntag 1986 durch Dekan Berthold Enz (Wiesloch) im Rahmen einer Kirchenmusikalischen Andacht statt.
1992 kam es während der Amtszeit von Pfarrer Drescher zum Bau eines neuen, modernen und größeren Kindergartens „Arche Noah“, an welchem die Pfarrgemeinde zu 30 % beteiligt ist. Der Neubau an der Weinbergstraße hatte die Schließung des alten Kindergartens in der Keltergasse ein Jahr später zur Folge.
21. Jahrhundert
Im Jahr 2000 wurden unter Pfarrer Maiba die Umbauarbeiten im alten Kindergarten, hin zu einem Gemeinde- und Pfarrzentrum St. Michael fertiggestellt. Die gut ausgestatteten Räumlichkeiten werden in erster Line von den verschiedenen kirchlichen Gruppierungen genutzt, können aber auch für Veranstaltungen aller Art gemietet werden.
Es folgte eine Kirchenrenovierung im Frühjahr 2003, in der neben umfangreichen Malerarbeiten im Innenraum und der Erneuerung der Kirchenbänke, vor allem die Neugestaltung des Chorraums, sowie der Einbau einer vollautomatischen Heißluftheizung, welche größtenteils die alte Rohrheizung von 1911 ablöste, im Mittelpunkt stand.
Im November 2012 wurden zwei neue Glocken in Passau gegossen. Diese wurden im März 2013 geweiht, seit Ostern erklingt das neue dreistimmige Bronzegeläut aus dem Turm. Die alten drei Weißbronzeglocken von 1949 sind nun vor dem Glockenturm zu finden. Eine Turmsanierung im Inneren des Glockenturms wurde im Herbst 2012 durchgeführt. Eine Außensanierung an der gesamten Kirche schloss sich 2013/2014 an.


