Die St. Cäcilia-Kirche zu Mühlhausen im Kraichgau
Texte: Pfr. Manfred Tschacher, Rudi Kramer; Fotos: Thomas Macherauch
Gemeinde und Kirchengemeinde waren im Mittelalter identisch. Das Kirchenjahr prägte das Leben im Dorf. Vom persönlichen Glauben der Dorfbewohner zeugen im Ort bis heute die wertvollen Steinkreuze aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden aus verschiedenen Anlässen gestiftet. 1775 ließ der Müller Johann Adam Kretz von der Oberen Mühle den Marienbildstock errichten, weil sein Vieh von einer verheerenden Viehseuche verschont blieb.
Das Steinkreuz von 1775 beim Kirchplatz
stand früher in der Hauptstraße.
bei der Oberen Mühle
stammt von 1775.
Wie ein Fingerzeig weist der 42 Meter hohe Kirchturm der St. Cäcilia-Kirche nach oben. Er macht aufmerksam auf Gottes Wirklichkeit, die uns schon umgibt. Ebenso will das matte Licht des Innenraums zur Stille und zur Sammlung führen, um IHN spüren zu können. Wir laden herzlich zu einem Besuch unserer Pfarrkirche ein und möchten etwas über ihre Geschichte erzählen.
Kirchturm,
unterer Teil um 1250,
Glockenstube und Spitzdach um 1530.
Gotisches Fenster im Kirchturm,
unterer Teil um 1250.
Der älteste Teil unserer Kirche ist der Turm. Um 1250 wurde sein unterer Teil errichtet. Er beherbergt den alten Altarraum. Dieser zeigt ein Kreuzrippengewölbe mit stilisierter Rose im Schlussstein. Ursprünglich war die Kirche von West nach Ost gebaut. Der achteckige Turmaufbau mit dem spitzen Dach wurde um 1530 aufgesetzt.
Ein Sarkophagrest (heute im Museumshaus) aus der Zeit um 1080/1150 zeugt von einem früheren Kirchengebäude, das Grablege eines Adelsgeschlechts war. Zu dieser Zeit dürfte in Mühlhausen schon ein Pfarrer gewesen sein.
Kopfteil einer Sarkophagabdeckplatte von einem Adelsgrab in der Pfarrkirche St. Cäcilia, um 1080/1150.
Das Wormser Synodale von 1496 nennt die heilige Maria Magdalena als Kirchenpatronin. Neben dem Hauptaltar besaß die Kirche auch einen Marienaltar, der dem Frühmessbenefizium gehörte. Wahrscheinlich stammt eine gotische St. Sebastiansfigur aus der Kirche, die Pfarrer Rudolf Kurz von einem Mühlhäuser Bürger erworben hat.
1741 weihte der Wormser Weihbischof den Hochaltar der Mutter Gottes und der heiligen Cäcilia sowie den Altar auf der Evangelienseite der Schmerzhaften Gottesmutter. Die Pieta im Marienbildstock in der Unteren Mühlstraße stand sehr wahrscheinlich ursprünglich im Mittelfeld des barocken Hauptaltares. Seit dem 18. Jahrhundert ist die heilige Cäcilia Kirchenpatronin.
Die Kirche war im Mittelalter eine Wehrkirche. Eine hohe Wehrmauer umgab den Kirchplatz mit dem Friedhof. Auf dem Platz stand außer dem Beinhaus auch eine „Behausung" mit einem Weinkeller. Seine heutige Gestalt erhielt der Kirchplatz in den Jahren 2003/04.
Im Jahre 1805 wurde das alte Kirchenschiff abgerissen und ein neues nach einem Plan des Architekten Schwarz errichtet. In Anlehnung an den gotischen Kirchturm verwendete man bei der Gestaltung der Fenster spitzbogige Fenstergewände. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich.
Die Kirche von 1805 hatte drei Altäre. Aus der säkularisierten Franziskanerkirche in Heidelberg kam der barocke Hochaltar. Der meisterhaft geschnitzte Christus am Kreuz unter der Empore sowie zwei klagende Putten in der Turmkapelle stammen von diesem Altar. Die Figur des heiligen Sebastian in der Turmkapelle stand auf dem Sebastiansaltar und wurde 1765 von der Gemeinde in Bruchsal erworben. Sie wird dem Bildhauer Joachim Günter (1720 – 1789) zugeschrieben. Vom Marienaltar ist ein barockes Jesuskind erhalten (Museumshaus), das zu einer Marienfigur gehörte. Die geschwungenen Bankwangen wurden 1808 gefertigt. Vorbild waren die Bänke der St. Laurentiuskirche in Wiesloch.
vom ehemaligen Hochaltar der
Franziskanerkirche in Heidelberg, 18. Jh.
St. Sebastian, 1765,
Joachim Günter (1720 – 1789) zugeschrieben.
Die Figur stammt aus der alten Kirche und
stand ab 1805 auf dem St. Sebastiansaltar.
Jesuskind. 18. Jh.,
gehörte zu einer Marienfigur,
die seit 1805 auf dem Marien- bzw. Frühmessaltar stand.
In den Jahren 1881/82 wurde die Kirche um den Chorraum erweitert. Der damalige Hauptaltar mit den vier Evangelisten kam 1883 aus der Werkstätte Franz Simmler in Offenburg. Die Seitenaltäre wurden 1882 in der Firma Franz Xaver Marmon in Sigmaringen gefertigt.
In den Jahren 1951/52 wurde unter Pfarrer Rudolf Kurz der Chorraum von 1881/82 abgerissen und ein neues Querschiff mit Altarraum erbaut. Architekt war Hans Rolli. Die künstlerische Ausgestaltung lag in den Händen von Dr. Willy Oeser. Mit 54 Meter Länge und 24 Meter Breite ist die Kirche dem Grundriss nach die größte Kirche des Angelbachtals.
Mosaikfenster von Willy Oeser, 1952.
Die Mosaikfenster im Chorraum bilden zusammen mit den Keramikmosaiken im Querschiff ein dreiteiliges Altarbild. In der Mitte sehen wir Jesus, den Gekreuzigten. Um dieses Bild sind angeordnet die Darstellungen der Geburt Jesu, des Letzten Abendmahls, der Kreuzabnahme und der Auferstehung. Diese Bilder werden umrahmt von den vier Evangelisten mit ihren Symbolen.
Der linke Seitenaltar zeigt Maria umgeben von Engeln. Auf dem rechten Seitenaltar befindet sich der Tabernakel, in dem das eucharistische Brot aufbewahrt wird. Darüber ist das Bild des heiligen Josef, unter dessen Schutz der Papst die Kirche stellt.
Keramikmosaik von Willy Oeser, 1952
In der Turmkapelle befindet sich ein Mosaikfenster der Kirchenpatronin St. Cäcilia. Die Kapelle bildet auch den Abschluss des eindrucksvollen Kreuzwegs von Emil Sutor. Die Orgel ist im Kern eine Voit-Orgel von 1891 (12 originale Register), die 1983 von Peter Vier um 12 Register erweitert wurde.
Kreuzwegstationen „Jesus wird vom Kreuz abgenommen" und „Jesus wird ins Grab gelegt" von Emil Sutor, 1952.
Weitere Bilder von Figuren und Gegenständen der St. Cäcilia-Kirche zu Mühlhausen im Kraichgau finden Sie hier...

