Bernhardushalle
Das älteste Gemeindezentrum der Erzdiözese Freiburg
(Adresse: Untere Mühlstraße 12, 69242 Mühlhausen)
1903
Pfarrer Heinrich Geiler kommt in das „Arbeiterdorf" Mühlhausen. Er entwickelt eine umfangreiche pastorale, soziale und bauliche Tätigkeit. 1904 gründet er für die weibliche Jugend die marianische Jungfrauenkongregation und 1905 für die verheirateten Frauen eine Sodalität der christlichen Mütter. Dem bereits 1900 errichteten katholischen Arbeiterverein gliedert er 1903 eine Sparkasse sowie 1909 eine Einkauf- und Baugenossenschaft an. Ebenso gründet er 1906 den katholischen Jugendverein für die männliche Jugend. 1919 wirkt er bei der Gründung des Zentrumsvereins mit. Eine besondere Leidenschaft von ihm ist das Theaterspiel.
1908
Zur Vertiefung der pastoralen und sozialen Arbeit in Mühlhausen hält Pfarrer Geiler den Bau eines „Vereinshauses" bzw. einer „Volkshalle" als Heimstätte der kirchlichen Vereine für unumgänglich. Die Durchführung des Projekts übernimmt der katholische Arbeiterverein unter seiner Leitung als Präses.
Am 1. Juni 1908 wird mit dem Bau des „Arbeiterheimes" im Pfarrweinberg begonnen. Architekt ist Herr Heinrich Jöst aus Heidelberg, örtlicher Bauführer neben dem Pfarrer ist Maurermeister Friedrich Geyer aus Mühlhausen. Die Arbeiten werden größtenteils ehrenamtlich von den Männern des Arbeiter- und Jugendvereins verrichtet. Zur Bezahlung der Baukosten von 40.000 Mark wird ein Darlehen von der Sparkasse des Arbeitervereins aufgenommen. Die feierliche Einweihung des Gebäudes findet am 22. November 1908, dem Patroziniumsfest St. Cäcilia, statt. Die Halle wird nach dem seligen Bernhard von Baden benannt.
Die Bernhardushalle ist multifunktional eingerichtet. Sie enthält eine Theaterbühne mit Illusionskulissen, einen Turnsaal, einen Versammlungsraum, einen Besprechungsraum bzw. Bibliothek und einen Nähsaal. Hallenwirt ist Herr Wendelin Fellhauer.
1909
Mit dem Mysterienspiel Maria Virgo wird im Dezember 1909 der Theaterbetrieb in der Bernhardushalle aufgenommen. Erstes größeres Stück ist 1911 Schillers Jungfrau von Orleans. Regisseur ist Pfarrer Geiler. Die Spieler und Spielerinnen kommen aus den örtlichen kirchlichen Vereinen. Bereits 1909 gibt es in der Bernhardushalle für den Spielbetrieb das Orchester „Capella Caecilia". Nach 1912 erfolgt der Umbau der Bühne in eine Shakespeare-Bühne mit Vorder-, Mittel- und Hinterbühne. Vorbild ist das Hoftheater in München. Während des 1. Weltkriegs 1914-1918 ruht der Spielbetrieb. Neben dem Theaterbetrieb wird von dem Jugendverein ausgiebig Sport getrieben. 1910 findet in Mühlhausen ein überregionales Sportfest statt.
1917
Die Bernhardushalle geht in das Eigentum der Kath. Kirchengemeinde über. Vorher gehörte sie der Kath. Pfarrpfründe, auf deren Grundstück die Halle errichtet wurde, bzw. dem Kath. Arbeiterverein. Das Inventar bleibt zunächst weiterhin im Besitz des Kath. Arbeitervereins.
1919
Pfarrer Geiler wird nach Kuppenheim versetzt. Sein Nachfolger wird Pfarrer Georg Sommer. Er setzt den Theaterspielbetrieb fort. Später wirkt auch Hauptlehrer Julius Ritzi mit. Auch fördert Pfarrer Sommer sehr die Jugendarbeit. Er ist Bezirkspräses der Jungfrauenkongregation und gründet 1927 (?) eine DJK-Gruppe.
1925
Gründung des Musikvereins in der Bernhardushalle.
1927
Erbauung (Neuerrichtung?) der hölzernen Turnhalle (10 m lang, 6,50 m breit) an der Rückseite der Bernhardushalle. Herr Bernhard Stiel wird Hausmeister.
1933
Ab 1933 versucht die örtliche NSDAP die kirchliche Jugendarbeit zu stören. 1935 wird die DJK als Unterabteilung des Jungmännervereins vom Staat aufgelöst und das Vermögen eingezogen. Die Sporthalle wird abgerissen. Nach 1938 muss Pfarrer Sommer auch den Theaterspielbetrieb einstellen, den er in den Jahren zuvor noch gegenüber den Behörden des Dritten Reise erstritten hat. 1939 wird der Jungmännerverein vom Staat aufgelöst. Seine Fahne ist bis heute erhalten, weil sie zuvor der Kirchengemeinde übereignet wurde. Während des Krieges 1940-1945 ist die Halle als Lagerraum zweckentfremdet.
1945
Pfarrer Sommer bittet am 16. August 1945 die amerikanische Militärregierung, die Theateraufführungen in der Bernhardushalle wieder aufnehmen zu dürfen. Pfarrer Sommer stirbt am 26. November auf dem Weg zu einem Kranken nach Tairnbach. Zunehmend finden auch größere Veranstaltungen der Ortsvereine in der Bernhardushalle statt. Herr Josef Klein wird Hausmeister.
1947
Pfarrer Rudolf Kurz kommt nach Mühlhausen. Der Theaterbetrieb wird von ihm und Rektor Julius Ritzi, der auch seit 1935 den Kirchenchor leitet, weitergeführt.
1958
Pfarrer Rudolf Kurz lässt die Bernhardushalle in den Jahren 1958/59 renovieren. Gegen den Hang wird die Nordmauer vom Erdreich freigelegt und eine Stützmauer errichtet, um die Halle vor Sickerwasser zu schützen. Die Bühne wird unterkellert und eine Betondecke eingezogen. Über dem Kulissenraum wird eine Decke eingezogen. Die Hallendecke erhält innen eine Wärmedämmung. In die Halle werden eine Toilettenanlage und eine kleine Küche eingebaut. Davor befand sich die Toilettenanlage außerhalb neben der Halle. Auch eine neue Heizung kommt in die Halle.
1961
Es findet der erste Altentag in der Bernhardushalle statt. Herr Walter Becker wird Hausmeister.
1962
Am 25. März 1962 tritt Herr Rudi Kramer die musikalische Nachfolge von Herrn Julius Ritzi an und leitet den Kirchenchor bis zum Jahr 2003. Der Kirchenchor übernimmt nun die Theatertradition. Bis zu seinem Tod 1980 bringt sich auch Herr Hanns Adam sehr als Regisseur ein. Danach wird die Theatertradition von Herrn Walter Becker fortgesetzt.
Die Treppenanlage wird erneuert und erhält ihre heutige Gestalt.
1968
Das Türmchen auf dem Dach wird aus Sicherheitsgründen entfernt.
1970
Der Parkplatz gegenüber dem Pfarrhaus entsteht.
1975
Gründung des Altenwerkes.
1980
Unter Pfarrer Friedrich Wolf erhält die Bernhardushalle bei einer Renovation innen und außen einen neuen Anstrich sowie neue Fenster.
1987
Pfarrer Rupert Kleemann lässt den Küchenanbau errichten und den Speicher ausschäumen.
1994
Pfarrer Manfred Alt und Pfarrer Manfred Tschacher lassen in den Jahren 1994 bis 1996 die Bernhardushalle einer Generalinnensanierung unterziehen. Im kleinen Saal werden unter der Empore Stahlträger eingezogen und damit die störenden Säulen entfernt. Der Kulissenraum des Theaters wird zu Gruppenräumen umgebaut. Eine neue Heizung wird eingebaut.
1998
Außensanierung und Einbau eines Behindertenaufzuges.
Recherche: Pfarrer Manfred Tschacher, Kath. Pfarramt Mühlhausen 2008.

