22. Oktober 2010: Der Einbau der Orgelpfeifen beginnt
Heute hat der Einbau der ersten Pfeifen an unserer neuen Orgel begonnen. Traditionell beginnt unser Orgelbauer dabei mit den von außen sichtbaren Pfeifen. Die sichtbare Außenseite einer Orgel nennt man den Prospekt, die dort angebrachten Pfeifen heißen Prospektpfeifen. Und genau bei diesen Pfeifen ist nicht alles so, wie es aussieht.
Blinde Prospektpfeifen
In den äußeren Feldern der oberen Hälfte des Orgelprospekts sind sogenannte blinde Pfeifen angebracht. Diese dienen nur der Dekoration und geben selbst keine Töne von sich, und sind folglich auch nicht an den Luftstrom der Orgel, den sogenannten Wind angeschlossen. Da sich die Orgelpfeifen in Größe und Bauart sehr unterscheiden, hat eine Orgel typischerweise gar nicht so viele repräsentativ aussehende Pfeifen, dass man den ganzen Prospekt damit füllen kann. Daher kommt die Verwendung von blinden Pfeifen. Das Bild zeigt, wie die ersten dieser blinden Pfeifen oben rechts an der Orgel eingesetzt werden.
Überlange Prospektpfeifen
Im durchgehenden mittleren Feld unseres Orgelprospektes werden überlange Pfeifen angebracht. Diese sind nicht blind, sondern werden über das Hauptwerk im Prinzipalregister angespielt. Die Überlänge hat wiederum dekorative Gründe. Damit trotzdem die Pfeifen den richtigen Ton von sich geben, wenden die Orgelbauer einen Trick an: Auf der Rückseite der Pfeife sind Öffnungen, die die akustisch wirksame Länge der Pfeife begrenzen.
Das Bild zeigt eine solche Öffnung: Am Stimmschlitz auf der Rückseite wird das Metall in einer solgenannten Stimmrolle aufgerollt. Vom unteren Ende der Pfeife bis zur Stimmrolle ist die Pfeifenlänge akustisch wirksam, und erzeugt den durch diese Länge vorgegebenen Ton.
Die Windversorgung der Prospektpfeifen
Die Prospektpfeifen stehen wegen Ihrer Positionierung an der Außenseite nicht direkt auf einer Windlade. Daher muss für sie extra Wind aus dem Windkanal abgezweigt werden. Die Pfeifen stehen dann auf einem dafür angefertigten Pfeifenstock, dem Prospektstock. Das Bild zeigt diesen von hinten: In den Bohrungen an der Oberseite werden die Pfeifen eingesetzt, eine davon ist im Bildhintergrund (noch in Folie verpackt) zu erkennen. Über die runden Öffnungen an der Rückseite wird später der Wind zugeführt.


